Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen: 150 Arbeitsplätze durch Verkauf der insolventen Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH gerettet

15.03.2021

• Die Max Valier Holding übernimmt zwei Drittel der Mitarbeiter und alle Auszubildenden

• Produktionsstätten am Standort Zella-Mehlis bleiben erhalten

• 41 Mitarbeiter wechseln in Transfergesellschaft

München, 12. März 2021 – Positive Nachrichten im anhaltenden Corona-Lockdown: Nach wochenlangen intensiven Verhandlungen mit potenziellen Investoren ist es Insolvenzverwalter Axel Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (München) gelungen, die Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH zu retten. Das Unternehmen aus Zella-Mehlis (Kreis Schmalkalden-Meiningen), das zu den größten Industriebetrieben in Südthüringen zählt, wird im Zuge einer übertragenden Sanierung an die Max Valier Holding verkauft. Damit können rund 150 der ehemals 240 Arbeitsplätze sowie alle 16 Ausbildungsplätze erhalten werden. Der Verkauf wurde am Dienstag beurkundet; der Betriebsübergang erfolgte rückwirkend zum 01. März. Am selben Tag hatte das Amtsgericht Meiningen auch das Insolvenzverfahren über die Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH eröffnet.

Die Zukunft der Böhm Fertigungstechnik, die auf den Bau von Anlagen und Sondermaschinen spezialisiert ist, ist mit dem Verkauf gesichert: Das Unternehmen soll in seiner bisherigen Form erhalten bleiben und wird weiterhin in allen Geschäftsbereichen an den Fertigungsstätten in Zella-Mehlis produzieren. Auch die hundertprozentige Tochtergesellschaft in der Slowakei, die ca. 20 Mitarbeiter beschäftigt und auf lohnintensive Arbeiten fokussiert ist, bleibt erhalten. 41 Mitarbeiter der Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH, die nicht übernommen werden können, wechseln in eine Transfergesellschaft. Damit soll der in diesem Umfang notwendige Personalabbau sozialverträglich abgefedert werden. Die Transfergesellschaft hat bereits gestern ihre Arbeit aufgenommen.

Dem Verkauf war ein zeitintensiver Investorenprozess vorangegangen, der - nicht zuletzt aufgrund der Pandemie-Bedingungen - mit hohem Aufwand durch das Distressed M&A-Team der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) betrieben wurde. Insgesamt wurden nach Angaben von Insolvenzverwalter Bierbach rund hundert potenzielle Investoren kontaktiert, von denen letztlich vier Investoren in Frage kommende Angebote abgegeben haben. „Dass es angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen in der Pandemie gelungen ist, einen Investor zu finden, der das Unternehmen im Kern erhält und fast zwei Drittel aller Arbeitsplätze sichert, ist ein großer Erfolg“, sagte Bierbach. „Wir haben mit vollem Einsatz dafür gekämpft, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten“, betonte er. „Die vergangenen Wochen waren ein Kraftakt für alle Beteiligten. Ich möchte der gesamten Belegschaft, dem Team von PwC, den Organisatoren der Transfergesellschaft, dem Gläubigerausschuss und den Beteiligten der Bundesagentur für Arbeit meinen besonderen Dank für ihre große Einsatzbereitschaft und Kooperation aussprechen“, so Bierbach weiter. Er machte deutlich, dass im Fall des Scheiterns einer Investorenlösung eine Ausproduktion und die Stilllegung des gesamten Betriebs unvermeidbar gewesen wären.

Am Ende des Investorenprozesses konnte die Max Valier Holding vor allem durch Ihr nachhaltiges Fortführungskonzept die Gläubiger überzeugen und das Rennen für sich entscheiden. „Bei der Böhm Gruppe hat uns die lange Tradition, verbunden mit den gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern, überzeugt“, so Hannes Mahlknecht, Geschäftsführer und Partner der Max Valier Holding. „Das Unternehmen ist in der Lage, innovativste Sonder-Maschinen und -Anlagen für globale Zukunftsmärkte auf höchstem Qualitätsniveau zu entwickeln und zu fertigen“. Das Konzept des Investors sieht die unabhängige Fortführung des Unternehmens vor und baut auf den bestehenden Fundamenten auf. Nach dem Einschnitt im Rahmen des Insolvenzverfahrens möchte der Investor noch innerhalb dieses Jahres das Unternehmen stabilisieren und sich bereits 2022 wieder auf einen gesunden Wachstumskurs in globalen Zukunftsmärkten begeben. Hierzu gehören die Umwelttechnik, 3D Druck, Mobilität und nicht zuletzt die Automatisierungslösungen für mittelständische Industrieunternehmen. Beim Erwerb der Böhm Gruppe wurde die Max Valier Holding von der Kanzlei Husemann Eickhoff Salmen & Partner beraten.

Die Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH hatte am 11. Dezember 2020 beim Amtsgericht Meiningen einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das Gericht hatte daraufhin das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet und Rechtsanwalt Axel Bierbach zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Corona-Pandemie hat maßgeblich zur Insolvenz des Unternehmens beigetragen, war jedoch nicht der alleinige Grund. Bereits in den Vorjahren hatte die Böhm Fertigungstechnik aufgrund wegbrechender Aufträge in mehreren Kern-Geschäftsfeldern mit Umsatzproblemen zu kämpfen gehabt.

Seit der Insolvenzantragstellung hatte der Sanierungsexperte Bierbach den Geschäftsbetrieb stabilisiert und unter erhöhten Hygieneschutzmaßnahmen uneingeschränkt fortgeführt. Von Dezember 2020 bis einschließlich Februar 2021 waren die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Über Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH

Die Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH mit Sitz in Zella-Mehlis wurde unmittelbar nach der Wende im Jahr 1991 gegründet und ging aus dem VEB Carl Zeiss Jena hervor, der dort eine Fertigung für Messtechnik und Anlagenbau betrieben hatte. Das metallverarbeitende Unternehmen ist spezialisiert auf den Maschinen- und Anlagenbau. Vor Insolvenzantragstellung beschäftigte die Böhm Fertigungstechnik Suhl GmbH insgesamt 240 Mitarbeiter und zählte damit zu den größten Industriebetrieben in Südthüringen.

Über Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen

Die Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (www.mhbk.de) ist eine seit vielen Jahren auf Sanierung und Insolvenzverwaltung spezialisierte Sozietät von Rechtsanwälten in München und anderen bayerischen Städten. Insgesamt sechs Verwalter bearbeiten Insolvenzverfahren an zahlreichen Amtsgerichten in Bayern und Thüringen. Zu den besonderen Stärken der Kanzlei zählen neben der übertragenden Sanierung auch das Insolvenzplanverfahren, die Eigenverwaltung sowie Konzern- und Gruppeninsolvenzen.

Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach ist spezialisiert auf Betriebsfortführungen und Sanierungen in einem breiten Branchenspektrum. Er hat bereits eine Vielzahl von Insolvenzen betreut, zuletzt die des Billigstromanbieters BEV. Bierbach ist zudem Vorstand im Verband Insolvenzverwalter Deutschlands e.V. (www.vid.de) sowie Mitglied im Gravenbrucher Kreis, dem Zusammenschluss der führenden, überregional tätigen Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten Deutschlands, die gemäß dem exklusiven Standard InsO Excellence handeln (www.gravenbrucher-kreis.de).

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