Schultze & Braun: Das Ende einer Ära? Modellbau Graupner stellt Insolvenzantrag

29.11.2019

Deutsches Modellbau-Urgestein Graupner stellt erneut Insolvenzantrag

Südkoreanische Muttergesellschaft stellt nach Restrukturierung Zusammenarbeit mit Graupner/SJ GmbH ein

Modellbau-Liebhaber können noch Ersatzteile und RC-Komponenten erwerben

Vorläufiger Insolvenzverwalter Holger Blümle sucht nach Möglichkeiten, das umfangreiche Know-how der 40-köpfigen Belegschaft zu sichern und auf andere Waren- oder Geschäftsbereiche zu übertragen

Kirchheim/Teck. Nach der Entscheidung der südkoreanischen Muttergesellschaft Graupner Co. Ltd., dass die deutsche Graupner/SJ GmbH nicht mehr Teil der Herstellungs- und Vertriebskette des Herstellers von Fernsteuerungskomponenten und RC-Elektronik sein wird, stellt Graupner/SJ mit Sitz in Kirchheim/Teck beim zuständigen Insolvenzgericht Esslingen Insolvenzantrag und beginnt mit dem Abverkauf seines Sortiments. Modellbauliebhaber haben damit die Möglichkeit, sich noch einmal mit Ersatzteilen und RC-Komponenten zu versorgen.

Das Amtsgericht bestellte den Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Blümle von Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Blümle hält den Geschäftsbetrieb auch nach dem Insolvenzantrag aufrecht. „Damit deutet sich nun das Ende einer Ära im Deutschen Modellbau und Handel von Kompenenten zumindest unter dem Label Graupner an. Die Gesellschaft verfügt noch über ein umfangreiches Waren-, Komponenten und Ersatzteilwarenlager mit vielen Raritäten und Spezialzubehör. Über den Abverkauf der Lagerware ist es möglich, die Gesellschaft zunächst weiter zu finanzieren. Diese Zeit werden wir nutzen, um Möglichkeiten zu prüfen, wie das umfangreiche Know-how der 40-köpfigen Belegschaft, insbesondere im Bereich Vertrieb, gesichert und auf andere Waren- oder Geschäftsbereiche übertragen werden kann“, sagt Blümle.

Die heutige Graupner/SJ GmbH ist eine Nachfolgegesellschaft des durch Johannes Graupner bereits in den 1930er Jahren in Stuttgart gegründeten weltweit bekannten Modellbauherstellers. Über Jahrzehnte hinweg prägte Graupner als Traditionsmarke den Markt für Modellbau. „Dem Modellbau fehlt der Nachwuchs, der Markt schrumpft leider unaufhörlich,“ stellt Blümle fest. Geschäftsführer Hannes Runknagel sieht mit der fehlenden Nutzungsmöglichkeit der Marke Graupner spätestens ab Mai nächsten Jahres keine Möglichkeit zur Weiterführung des Unternehmens. „Die Nutzungsrechte der Marke Graupner wurden im Zuge der Insolvenz im Jahre 2013 an die südkoreanische Muttergesellschaft verkauft und nur über eine Lizenz der deutschen Vertriebsgesellschaft zur Verfügung gestellt. Die Belieferung durch die Muttergesellschaft wurde ebenfalls bereits seit längerem eingestellt. Damit ist der Gesellschaft in der jetzigen Ausrichtung und der Abhängigkeit von der Muttergesellschaft die Geschäftsgrundlage weitestgehend entzogen.“

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